Ich werde immer häufiger darauf angesprochen, wie Podcasten funktioniert und wozu das nützlich ist. Auf dieser Seite stelle ich zusammen, wie eine Episode entsteht und was an Tools und Technik zum Einsatz kommt. Ich werde diese Seite regelmäßig aktualisieren. Also immer mal wieder vorbeischauen. Ich verweise bei der Technik oft auf die Seite von Thomann. Dort kaufe ich auch meine Sachen und bin mit dem Service extrem zufrieden. Wenn ihr mich unterstützen möchtet, würde es mich freuen, wenn ihr über meinen Link einkauft.

Diese Seite liefert euch einen Überblick, wie sich mein Podcast entwickelt hat. Mit einem Klick auf die Links könnt ihr direkt in die für euch relevanten Bereiche springen.

Zu Beginn war der Recorder

Ich bin viel unterwegs und habe oft das Problem, dass entweder in der Region kein vernünftiger Radiosender läuft oder die Themen mich nicht interessieren. Wenn mal etwas Spannendes im Radio lief (gerne WDR5), dann fuhr ich gerade auf den Parkplatz beim Kunden und hatte in den nächsten Minuten ein Meeting. Leider gibt es beim Radio keine Pausetaste, und später hatte ich dann vergessen, welche Sendung ich gehört hatte. Nachhören im Netz fiel somit auch aus. Plötzlich lief mir der Raumzeit-Podcast vom DLR über die Füße und ich lernte das Podcasten kennen. Ich war begeistert! Nun kann ich mir selbst mein Programm zusammenstellen und hatte auch endlich meine Pausetaste. Ich war als Hörer in das Podcast-Universum abgetaucht.

Kurze Zeit später stolperte ich über den Lautsprecher-Podcast von Tim Pritlove. Wärend ich gerade in Berlin unterwegs war, reifte in mir der Gedanke: „Podcasten – Das kannst du auch.“ Nur bin ich zwar in der Lage, Autos zu entwickeln, aber ich hatte leider absolut keine Ahnung, wie Audio produziert wird. Also habe ich einen alten Freund angesprochen, der sich privat mit PA-Anlagen beschäftigt.

Seine Empfehlung war der TASCAM DR-40 Audio-Recorder. Der wäre schon ganz vernünftig und kostete nur 199 Euro. Mit den internen Mikrofonen könnte ich erst mal aufnehmen und später mit den XLR-Anschlüssen auch weitere Mikros anschließen. Gesagt, getan, habe ich mir das Ding bestellt und muss sagen, es war eine der besten Empfehlungen. Denn der Recorder ist sehr handlich, so dass ich ihn auch auf Reisen mitnehmen kann. Nebenbei ist er auch extrem einfach zu bedienen. Ich kann sehr empfehlen mindestens 2 GB als SD-Karte einzusetzen. Die mitgelieferte 1 GB hat bei mir schon mal nicht ausgereicht. Dazu habe ich mir noch als Dreibein-Stativ den Cullmann NANOMAX 200T besorgt. Nun konnte ich den Recorder vor mit auf den Tisch stellen, und es ging los.

Bei Interviews mit Gästen habe ich die beiden Mikrofone des TASCAM einfach auf die Y-Stellung umgeschwenkt. Funktionierte wunderbar! Das einzige Manko war, dass ich immer Hintergrundgeräusche aufgenommen habe. In einer Episode ist mir ein Feuerwehrwagen durch die Sendung gefahren, ohne das ich es gemerkt hatte. In einer anderen Episode sind meine Kinder leise im Hintergrund beim Spielen im Garten zu hören. Das ist aus meiner Sicht nicht weiter schlimm, da es nur kurz ist und die kleinen “Fehler” den Podcast menschlicher machen. Aber ich merkte, es gab noch etwas zu verbessern.

Nach ein paar Monaten machte ich mir Gedanken, wie ich die Produktion weiter vereinfachen könnte. Für mich war relativ schnell klar, dass ein Mikrofon die nächste Investition sein wird. Die Frage war nur: welches Mikrofon? Nachdem ich mich nach verschiedenen Lösungen umgeschaut habe, bin ich der Empfehlung von Tim Pritlove gefolgt und habe mir ein Beyerdynamics DT-297-PV/250 MKII als Profi-Hörsprechkombination (neudeutsch Headset) gekauft, wie sie auch im Radiobereich genutzt wird. Ich habe jetzt die Freiheit, mich beim Reden bewegen zu können und nicht mehr in eine Richtung sprechen zu müssen.

Das Mikro stecke ich direkt an den XLR Eingang des TASCAM und nutze den Kopfhörerausgang (die Hinterbandkontrolle) für den Kopfhörer. Die Kombination liefert eine exzellente Aufnahmequalität, ich habe kein Problem mehr mit Umgebungsgeräuschen und beides zusammen ist schön mobil für die Reise. Auch die Interviews wurden jetzt einfacher. Ich nutze das Headset, während ich den Recorder auf dem Dreibein für die Aufnahme des Gesprächsgastes einsetze. Mit dem Headset habe ich mir auch einen Walimex Foto-Koffer angeschafft, um das Material gut für die Reise zu verstauen. Wenn ich mit dem Flieger unterwegs bin, passt der Recorder und das Headset notfalls auch ins Handgepäck.

Nach ein paar Monaten war meine nächste Anschaffung ein zweites Beyerdynamics DT-297-PV/250 MKII mit einem längeren Kabel. Jetzt kann ich auch meinem Gesprächsgast ein Headset geben. Sein Headset stecke ich in den zweiten XLR-Eingang des TASCAM-Recorders. Hinzu kam ein Kopfhörerverstärker, damit beide auf dem Kopfhörer etwas hören. Alles zusammen passt immer noch wunderbar in meinen Koffer.

Die nächste Herausforderung kam mit der Episode #39. Ich hatte schon länger mit Markus ein Gespräch geplant. Nur sitzt er in München und ich in Köln, und wir beide hatten keine Termine vor Ort. Also brauchte ich eine Ausstattung, um ein Gespräch über das Web aufzeichnen zu können. Also wieder meinen Freund und Spezialisten gefragt, und er hat mir das notwendige Equipment ausgeliehen. Im wesentlichen war es ein Mixer (Peavy PV6) und ein wenig Verkabelung, um eine sogenannte n-1 Schaltung aufzubauen. Hört sich wilder an, als es ist. Die Aufnahme hat super geklappt und ich habe mich entschieden, einen eigenen Mixer anzuschaffen. Am Ende waren drei verschiedene Mixer in der Auswahl. Das Peavy PV6, das Behringer XENYX X1204 USB oder das Mackie 1402 VLZ3. Ich habe mich für das Mackie entschieden. Es bietet mit seinen Insert-Eingängen für mich die Möglichkeit, zukünftig die Ausstattung noch weiter auszubauen. Rein technisch tun es aber alle drei Mixer. Sie unterscheiden sich in der Qualität, den Funktionen, den Anschlussmöglichkeiten und natürlich im Preis.

Das Schneiden und die Postproduction

Nachdem die Aufnahme im Kasten ist, kommt als nächster Schritt das Mastern. Ich nutze dazu das Tool Audacity. Es ist frei verfügbar, einfach zu bedienen und kann auf unterschiedlichen Betriebssystemen installiert werden. Mit Audacity schneide ich das Gröbste in der Aufnahme heraus, z.B. Husten, Feuerwehrwagen etc., und verkürze Stillephasen. Anschließend kommt die Postproduction, in der die Aufnahme durch allerlei Algorithmen gejagt wird. Danach kann die Episode auch im Auto, der Bahn und dem Flugzeug in einer vernünftigen Qualität und Lautstärke gehört werden. Für die ersten sieben Episoden habe ich Audacity für die Postproduction genutzt. Aber eigentlich nie wirklich in der Tiefe verstanden, was ich da im Detail genau einstelle. Ich habe so lange herum probiert, bis es sich gut angehört hat.

Und dann kam Auphonic! Das magische Werkzeug für Podcaster. Ich brauche nur noch mein gemastertes Rohmaterial als Datei auf die Auphonic-Server werfen. Die Server machen dann “Audiomagie”, und anschließend bekomme ich meine fertigen Episoden zurückgeliefert. Auphonic hat mir einen Prozessschritt abgenommen, den ich inhaltlich nicht beherrschte und mir Stunden meiner Zeit gekostet hat. Zusätzlich kümmern sie sich auch noch um das Cover, die Kapitelmarken, die Tags und … und … und. Nachher bekomme ich meine Episode in unterschiedlichen Audioformaten in meine Dropbox zurückgeliefert. Kostenlos und einfach genial!

Nach einiger Zeit hatte ich den Wunsch, auch einen Jingle als Intro und Outro für den Podcast zu nutzen. Da ich keine GEMA zahlen will, habe ich mir Musik von der Creative Commen – Plattform cc-mixter herausgesucht.

Das Veröffentlichen der Episoden

Nun geht es darum, dass ich meine Episoden veröffentliche. Ich habe bei all-inkl eine eigene Domain für den Podcast hinzugekauft, WordPress installiert und Twenty eleven als kostenlose Theme eingerichtet. Ich bin mit all-inkl als Provider sehr zufrieden und es ging super einfach. In WordPress erstelle ich für jede Episode einen neuen Blogeintrag und binde die Audiodatei ein. Das Ganze hat ein paar Vor- und Nachteile. WordPress ist eigentlich fürs bloggen gedacht. Also muss ich Plug-Ins wie bluebrry powerpress nutzen um die Audiodatei einzubinden. Der Vorteil ist, dass WordPress sehr verbreitet ist und viele Plug-Ins verfügbar sind. Bluebrry powerpress ist auch schon sehr lange verfügbar, so dass es eine sehr stabile Version bietet. Nebenbei liefern sie auch Statistiken, auch wenn Statistiken beim Podcasten mit Vorsicht zu genießen sind. Der Nachteil von bluebrry ist ein recht aufwendiger, manueller Prozess, um eine Episode online zu bringen. Sehr interessant ist zurzeit das Podlove Projekt. Damit wird der ganze Veröffentlichungsprozess wesentlich einfacher. Noch ist das publishing Plug-In in der alpha-Phase, aber ich plane, in absehbarer Zeit zu wechseln. Den Player setze ich schon ein.

Nach einiger Zeit hat mir die kostenlose Theme nicht mehr gefallen. Also habe ich die Streamline Theme mit dem Genisis Framework gekauft. Auch hier war das Einrichten recht einfach, und der Podcast hatte ein schöneres Zuhause.

Die Auslieferung an den Hörer

Die Auslieferung erfolgt über drei Kanäle. Als RSS-Feed, über iTunes von Apple und über Zune von Microsoft. Jedesmal, wenn ich eine neue Episode freigebe, wird der RSS-Feed von WordPress entsprechend aktualisiert. Anschließend wird der Feed von Feedburner aufgenommen. Dieser Feedburner-Feed wird von den Podcastverzeichnissen eingelesen und die Episoden sind dann im Player verfügbar. Alternativ kann der Feed oft auch direkt von dem Podcast-Client eingelesen werden. Feedburner benutze ich nur zum Entkoppeln des WordPress von den Verzeichnissen. Wenn ich, aus welchem Grund auch immer, bei WordPress die Quelle verändern muss, wird immer noch über Feedburner der neue Feed zu den Verzeichnissen, Playern und Readern geleitet. Die Zukunft von Feedburner bei Google ist aber ungewiss. Vielleicht werde ich bald feedburner rausschmeißen.

Sehr wichtig war mir von Anfang an, auch eine Mailing-Liste einzurichten. Ich nutze dazu aweber. Zum einen, um die Hörer über interessante Dinge zu informieren, die vielleicht nicht in den Episoden zur Sprache kommen. Zum Anderen aber auch, um einen eigenständigen Notfallkontakt zu haben, wenn vielleicht irgendetwas mit dem Podcast oder dem Hosting komplett schief geht. Das erste Mal hatte ich die Situation im Spätsommer 2012, als mir ein WordPress-Plugin meine kompletten Episoden und Templates gelöscht hat. Glücklicherweise konnte ich innerhalb von zwei Stunden fast alles wieder online stellen, so dass ich keine Mail an die Liste schicken musste.

Die Episodenplanung

Ich habe nach einiger Zeit einen Weg entdeckt, wie ich für den Produktionsprozess transparenter gestalten kann. Dazu habe ich ein eigenes Kanban-Board bei Trello erstellt, dass jeder einsehen kann. Der Vorteil ist für die Hörer, dass sie sehen, welche Themen gerade anstehen. Gerade die Hörer mit Hörerfragen sehen so, wann ich Ihre Frage in einer Episode anpacke. Für die Gesprächsgäste im Podcast hat es den Vorteil, dass sie sehen, wann die Aufnahme mit dem Gespräch online geht. Mehr zu Kanban und den Einsatz von Trello habe ich in Episode #53 Personal Kanban – Warum ich jetzt effektiver bin beschrieben.

Wie ist der zeitliche Aufwand?

Zu Beginn habe ich mich natürlich erst mal in WordPress, Audacity und so weiter einarbeiten müssen. Außerdem war die Produktion der Episoden von der Idee bis zur Veröffentlichung noch nicht so eingeübt. Da gingen gerne mal vier Stunden oder mehr für eine Episode drauf. Mittlerweile habe ich einen durchschnittlichen Aufwand von 2-3 Stunden pro Episode. Bei Gesprächsepisoden habe ich weniger Vorbereitung, aber dafür manchmal Reisezeiten. Bei Episoden, die ich alleine bestreite, habe ich vorher die inhaltliche Vorbereitung des groben Skripts. Damit habe ich einen roten Faden in Form von Stichpunkten, die Verweise und die Links direkt bei der Aufnahme vor mir.

Vieles von dem, was ich heute anwende, habe ich durch andere Podcasts gelernt. Sehr zu empfehlen sind „Der Lautsprecher“ von Tim Pritlove (deutsch, aber eher für Fortgeschittene) und „Audacity to Podcast“ von Daniel J. Lewis (für Anfänger, aber in englisch). Hinzu kommen noch „Podcast Answerman“ und „Podcasters’ Roundtable“, die ich sehr gerne höre.

Wie ist der Kostenaufwand?

Gestartet habe ich mit dem TASCAM DR-40 für 199 Euro und dem Cullmann NANOMAX 200T für 20 Euro. Nach sechs Monaten habe ich mir das Beyerdynamics DT-297 für 230 Euro mit dem 1,5 Meter Anschlusskabel für 50 Euro und den Walimex Foto-Koffer für ca. 35 Euro angeschafft. Später kam noch das zweite Beyerdynamics mit einem 3,0 Meter Anschlusskabel dazu. Anschließend habe ich mir noch das Mackie 1402 VLZ3 für 400 Euro gekauft. Entsprechend habe ich mir zu dem Mackie auch ein Sammelsurium an Audiokabeln (ca. 80 Euro) angeschafft, denn davon kann man nicht genug haben. Zusammen habe ich bisher etwa 1.300 Euro in das Equipment investiert. Hinzu kommt noch die Streamline-Theme für 80 Euro und um die 180 Euro für das Webhosting im Jahr. Aber ihr könnt auch mit einem einfachen Equipment starten. Mit einem guten Mikrofon (z.B. Audio-Technica ATR2100-USB) könnt ihr direkt über USB in Audacity aufnehmen. Ich empfehle euch aber den Einstieg über den TASCAM Recoder. Damit habt ihr zu Beginn alles Wesentliche auf einem qualitativ gutem Level, um super Aufnahmen zu produzieren. Den Ausbau eures Equipments könnt ihr dann später vornehmen.
Welche Themen sind noch offen?

Ein großes Thema für mich sind die Transkriptionen. Ich habe immer wieder die Rückmeldung von Hörern, die mich nach einer schriftlichen Version meiner Episoden fragen. Leider ist das bisher noch nicht so perfekt (Transkription über Spracherkennung) oder kostet nebenbei auch einen Haufen Geld (manuelle Transkription).

Ein weiteres Thema ist die Entlastung beim Produktionsprozess. Zum einen setzte ich auf Podlove. Zum anderen habe ich meine Prozesse sehr gut optimiert, so dass ich einiges gerne an eine studentische Hilfskraft abgeben würde. Wenn Ihr jemand kennt, würde ich mich über eine Weiterempfehlung freuen.

Zukünftig plane ich noch einige Themen als Video online zu bringen. Wenn ich so weit bin, werde ich hier meine Beschreibung auch um das Thema Video, Youtube und ähnliches erweitern.

Ich plane ebenfalls, meine Erfahrung in einem eigenen Podcast über das Podcasten weiterzugeben. Er wird im Laufe des Jahres online gehen. Wenn es soweit ist, sage ich euch Bescheid.